Gründerin und kreativer Kopf · GIZZImedia GmbH
Christine Böck ist Expertin für digitales Recruiting. Als Gründerin und kreativer Kopf der GIZZImedia GmbH hat sie 2015 Zustellerkom mit dem Jobportal zustellerkom.de im Markt eingeführt. Das Team der GIZZImedia hilft Unternehmen mit dauerhaften Vakanzen, nachhaltig sichtbar zu sein und Mitarbeiter zu finden.
30 Jahre nach dem Start von Social Media ist es Zeit für eine Neubewertung: Social Media gehört als kaufmännischer Prozess in die Unternehmensstruktur – so wie Buchhaltung. Die Stelle des Social-Media-Managers ist eine „eierlegende Wollmilchsau" mit viel zu vielen Kompetenzen. Christine Böcks Ansatz: Den kreativen Teil vom kaufmännischen trennen und das Digitale Marketing als festen Bestandteil in die Organisation integrieren. Schluss mit Ferienjobs und Praktikanten-Lösungen, die zu ständigen Redundanzen führen – weil ohne Erfahrung die Struktur fehlt und man immer wieder von vorne anfängt.
Viele Unternehmen starten beim digitalen Recruiting mit dem Design oder dem Kanal – „Lasst uns mal ein TikTok-Reel machen!" Das ist, als würde man das Pferd von hinten aufsatteln: Ohne Trense läuft es davon und man rennt hinterher. Christine Böcks klare Reihenfolge: Erst die Geschichte, dann das Design, dann der Kanal. Wer von der Story kommt, hat einen nachhaltigen Erzählstrom. Wer vom Kanal kommt, dem geht ständig der Stoff aus – und fängt immer wieder von vorne an.
Die klare Antwort auf die Eingangsfrage, basierend auf 15.000 geschalteten Anzeigen pro Monat: Nein, Social Recruiting ist nicht out. Es bleibt ein fester Bestandteil. Was sich ändert, sind die Spielregeln, die Kanäle und die Budgetverteilung. Die Herausforderung: Jeden Monat entscheiden, auf welchen Zug man aufspringt und welchen man fahren lässt. Dabei nicht beirren lassen – nicht von der Gartenparty-Meinung („Katharina sagt, Facebook ist out"), nicht von Agenturen, die „AI Recruiting" als Ablösung verkaufen. Es kommt immer auf die Zielgruppe an, nicht auf den Hype.
Was Social Media 30 Jahre brauchte, hat AI in drei Jahren geschafft. Die Folge: ein Überangebot an Tools, das verrückt macht. Christine Böcks Empfehlung: bewusst konsolidieren. Bestimmte Systeme auswählen, integrieren – und dann dabei bleiben. Für jeden Schwerpunkt das passende Tool (z. B. ein AI-Tool für Animation, ein anderes für Textgenerierung), aber nicht fünf neue pro Woche testen. AI ist wie Buchhaltungssoftware: ein Werkzeug, das in die Struktur gehört – kein Spielplatz, der vom eigentlichen Geschäft ablenkt.
Die Orientierung im digitalen Recruiting kommt nicht von einzelnen Kampagnen, sondern von drei Ankern: einer optimalen Struktur, einer klaren Strategie und einem durchgehenden Contentplan. Der Contentplan ist das Wichtigste – er verhindert, dass man immer wieder von vorne anfängt und dass das Thema ermüdet. Auch wichtig: Nicht nur posten, wenn eine Stelle frei ist. Ein „Grundrauschen" als Arbeitgeber aufrechterhalten – selbst bei 50 Mitarbeitenden ohne aktuelle Vakanz. Und: erkennen, was man gut macht, statt alles ständig in Frage zu stellen.