pingworks & covolution
Christoph Lukas arbeitet als Coach und Trainer bei pingworks und begleitet Veränderungsprozesse mit Fokus auf Coaching von Führungspersonen. Michael Müller ist Organisationsberater und Coach bei covolution und begleitet Organisationen in Transformationsprozessen mit Fokus auf Führung, Kultur- und Werteentwicklung.
Die zentrale Beobachtung von Christoph Lukas und Michael Müller: In vielen Organisationen ist die Geschwindigkeit der Reaktion viel höher als die Geschwindigkeit des Verstehens. Corona – sofort Remote Work. KI – sofort Tools einsetzen. Das Handeln kommt vor dem Begreifen. Das Ergebnis: blinder Aktionismus. Organisationen tun Dinge, ohne wirklich zu verstehen, was sie damit auslösen – nicht nur auf Prozessebene, sondern in der Art, wie Menschen zusammenarbeiten, entscheiden und Verantwortung tragen.
Wenn KI-Tools in Arbeitsprozesse einziehen, verändert sich mehr als nur der Workflow. Es verändert sich, wie wir zusammenarbeiten, wer welche Rolle hat und wem wir vertrauen. Das Problem: Die bestehende Kultur spiegelt Grundwerte wider, die in der Organisation wichtig sind. Wenn der unüberlegte Einsatz von Tools diese Werte untergräbt, entstehen erhebliche Spannungen. Konkretes Beispiel: Wenn Qualität und Strukturregeln zentrale Kulturwerte sind und dann KI-Coding-Tools Software erzeugen, die keinen Qualitätskriterien mehr entspricht – dann reißt das den Kulturwert ein. Im Publikum zeigte sich die Spannung live: Manche stürmen begeistert nach vorne, andere blockieren aus Angst. Kreative Arbeit verschiebt sich von der Ausführung zur Vorgabe. Und Entscheidungen werden zunehmend auf KI-generierter Datenbasis getroffen – das menschliche Beurteilen wird zur Kernkompetenz.
Die erste Führungsstrategie gegen blinden Aktionismus: Reflexionsschleifen strukturell verankern. Nicht als Luxus, sondern als operative Notwendigkeit. Die Frage „Was passiert hier gerade mit uns?" muss regelmäßig Raum bekommen – im Team, in der Führung, in der Organisation. Besonders wenn Angst aufkommt: Angst, die sich ausbreitet, kann Handlungsfähigkeit komplett lähmen. Führung muss diese Emotionen sehen, besprechbar machen und kanalisieren – nicht übergehen.
Die zweite Strategie: Die Nutzung von KI-Tools strategisch einbetten, nicht einfach geschehen lassen. Das bedeutet: Als Organisation festlegen, wie und wo diese Tools genutzt werden sollen – und wie das in die Gesamtstrategie passt. Nicht sich treiben lassen, sondern bewusst steuern. Damit bekommen Mitarbeitende Richtung und Sicherheit – zwei Dinge, die in Zeiten hoher Veränderungsgeschwindigkeit besonders gefragt sind.
Reflexion allein reicht nicht, Strategie allein auch nicht – es braucht den Schritt vom Rahmen ins Tun. Und das funktioniert nicht mit einem großen Masterplan, sondern iterativ, Schritt für Schritt, mit guten Reflexionsschleifen. Die Quintessenz der Session: Führung schafft Handlungsfähigkeit, indem sie zwischen Code und Kultur vermittelt – zwischen dem, was Technologie auf uns einprasseln lässt, und der Kultur, die sich dadurch verändert. Das erfordert Strukturen für Dialog und Vertrauen als systematisch verankertes Element.