HR-Manager · doubleSlash
Leonie Hlawatsch verantwortet HR bei doubleSlash und ist in der Organisationsentwicklung aktiv. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit moderner Unternehmenskultur, partizipativer Kompetenzbewertung, transparenter Gehaltsbildung und der Frage, wie Mitbestimmung in zentralen Unternehmensprozessen Vertrauen und Wirksamkeit fördert.
Die New-Work-Ära hatte um 2015 ihren Höhepunkt: Homeoffice, Workation, Selbstverwirklichung. Dann kamen geopolitische Krisen, der Arbeitsmarkt drehte sich, und plötzlich stehen wieder Arbeitsplatzsicherheit, Effizienz und Kostencontrolling im Fokus. Leonie Hlawatsch ordnet das historisch ein: Es ist ein Zyklus, der sich wiederholt – kein Rückfall in die Steinzeit. Die Frage ist nicht „New Work oder nicht", sondern: Was machen wir aus der Position, in der wir gerade sind?
Statt über die nächste Benefit-Offensive nachzudenken, lohnt sich der Blick auf die Grundlagen. Drei Hygienefaktoren im HR-Selbstverständnis: Recruiting mit echtem Einfluss – damit Fachbereiche in Panik nicht Kandidaten einstellen, die fachlich passen, aber kulturell nicht. HR als Servicekraft – Kunden sind Bewerber und Mitarbeitende, nicht das Management. Und Konfliktmanagement als Muskel – nicht die nächste Schulung, sondern Supportstrukturen, die Führungskräfte durch Konflikte begleiten statt nur zu trainieren.
Jede unternehmensweite Regel ist ein Megafon – und wer nur noch mit dem Megafon spricht, dem flüstert niemand mehr etwas ins Ohr. Leonie Hlawatschs Prinzip bei doubleSlash: Keine Regeln machen, die 95 % der Mitarbeitenden nicht bräuchten. Denn Regulierung nimmt High Performern den Raum, fördert Dienst nach Vorschrift und zerstört Ownership. Die 5 %, die eine Grenze überschreiten? Die brauchen Kommunikation, Reibung und Transparenz – kein Regelwerk, das alle ausbremst.
Partizipation heißt nicht gleich volle Mitbestimmung. Leonie Hlawatsch unterscheidet vier Stufen: Information (Mitarbeitende werden informiert), Konsultation (Meinungen als Input nutzen), Optionenwahl (aus fertigen Lösungen wählen lassen) und Mitgestaltung (bei der Lösungsentwicklung dabei sein). Jedes Unternehmen kann für sich festlegen: Wo stehen wir heute – und wo wollen wir einen Schritt weitergehen? Die Kombination aus Partizipationsgrad und Themenkritikalität ergibt eine Matrix, mit der sich der Weg bewusst steuern lässt.
Als Praxisbeispiel stellte Leonie Hlawatsch das doubleSlash-360°-Modell vor – ein Bewertungssystem, das den Gehaltsbildungsprozess integriert. Es wurde als partizipatives Projekt umgesetzt: Eine Projektgruppe bildet den Querschnitt der Firma ab (Standorte, Rollen, Geschlecht, Arbeitszeit). Kommunikation lief von Kolleg:in zu Kolleg:in. Das Ergebnis: Zwei Peer Groups bewerten Mitarbeitende (eine selbst gewählt, eine von der Führungskraft), dazu Selbstbewertung und FK-Bewertung – mehrdimensional gewichtet. Und weil kein Tool am Markt die nötige Gewichtung bot, wurde es selbst entwickelt.