Personalentwicklung & Digitalisierungsexperte · ZF Friedrichshafen
Christoph Wieser arbeitet bei ZF Friedrichshafen im Bereich Personalentwicklung mit Fokus auf Kompetenzmanagement, Lernlösungen und Programmen zur Förderung zentraler Zukunftskompetenzen. Zudem gestaltet er aktiv die Weiterentwicklung moderner HR-Strukturen und digitaler Lern- und Arbeitsumgebungen.
Stephan Kaiser ist Digitalisierungsexperte und Projektmanager bei ZF Friedrichshafen. Er gestaltet die digitale Transformation im Produktionsumfeld, verbindet Strategie mit Umsetzung und treibt moderne Technologien voran.
Digitalisierung ist kein IT-Projekt – es ist eine ganzheitliche Transformation. Stephan Kaiser strukturiert das anhand von vier Feldern: Ressourcen & Kompetenzen (was Menschen und Maschinen können), Informationssysteme & Tools (die sichtbare Spitze des Eisbergs), Organisationsstruktur & Prozesse (Regeln und Abläufe müssen sich mitändern) und Kultur & Mindset (der unsichtbare Teil unter der Wasseroberfläche). Wer nur ein neues Tool einführt, ohne die anderen drei Felder zu bewegen, hat investiert – aber nicht transformiert.
Der Industrie 4.0 Maturity Index (acatech) beschreibt sieben Reifestufen der Digitalisierung. KI-Anwendungen beginnen ab Stufe 5 – aber viele Organisationen haben die Grundlagen noch nicht gelegt. Stufe 1: Hat jeder Mitarbeitende einen Computer? Stufe 2: Haben alle Zugriff auf die relevanten Daten? Stufe 3: Sind Prozesse digital abgebildet? Wenn Mitarbeitende keine Lizenz, keine Zugriffsrechte oder keine digitalen Grundkompetenzen haben, bleibt KI eine leere Versprechung. Die Stufen bauen aufeinander auf – Abkürzungen funktionieren nicht.
Der HR-Bereich bei ZF wollte Daten von alten Laufwerken auf SharePoint migrieren – klingt nach Copy & Paste, war aber eine echte Transformationsreise. Die Erkenntnis: SharePoint ist nicht einfach „das neue Laufwerk", sondern eine andere Welt mit eigenen Logiken. Die Migration erforderte Arbeit in allen vier Gestaltungsfeldern gleichzeitig: neue Kompetenzen aufbauen, Strukturen anpassen, Prozesse überdenken und ein anderes Mindset entwickeln. Dieses Beispiel machte dem HR-Team greifbar, was digitale Transformation in der Praxis wirklich bedeutet – weit mehr als ein Tool-Wechsel.
KI-Upskilling ist keine Maßnahme für einzelne Teams, sondern eine Querschnittsaufgabe. Zielgruppen: Top-Management (Rahmenbedingungen verstehen und schaffen), mittleres Management (Brücke zwischen Strategie und Umsetzung), Mitarbeitende in Büro und Shopfloor, und der Betriebsrat. Formate reichen von klassischen Qualifizierungen über Roadshows bis zum direkten Anwenden. Entscheidend: Es entstehen neue Rollen, die es vorher nicht gab – etwa der Digital Champion (Vorreiter im Team, der andere mitnimmt) oder der Workflow Owner (verantwortet den gesamten digitalen Prozess End-to-End).
Tools zur Verfügung stellen ist einfach – Verhaltensweisen ändern ist die eigentliche Aufgabe. Christoph Wieser und Stephan Kaiser unterscheiden klar zwischen Skalierung (Technologie ausrollen) und Adaption (die Organisation wirklich darauf ausrichten). Adaption bedeutet: Strukturen anpassen, Prozesse neu denken, Kultur mitentwickeln. Deshalb ist KI-Transformation vor allem eine Führungsaufgabe – Führung ist das Bindeglied zwischen den vier Gestaltungsfeldern. Und das Fundament dafür hat drei Zutaten: saubere Daten, gute Governance und Vertrauen. Ohne Vertrauen skaliert keine Technologie.